Homemade Natural Paints // Selbstgemachte natürliche Farben

Natural Colours

On my last visit to the local library here in Heidelberg I came across a book which turned out to be extremely inspiring. It’s not an old book (it’s not exactly new either), but still I feel compelled to write a little bit about it here.

Gerd Ziesemann, Martin Krampfer, Heinz Knieriemen: „Natürliche Farben. Anstriche und Verputze selber herstellen“, AT Verlag Aarau, 1996. The title means „Natural paints. Making your own coatings and plasterings“. I have the 5th edition from 2002.

I knew before that I have a penchant for paint making (which is the reason why I brought home this book in the first place), but how bad things really are, I only discovered after the first few pages. I almost couldn’t put that book down. There are so many ways to produce your own paint and I really want to try each one of them. My experiences thus far are limited to experiments and tests with spirit lacquers / spirit varnishes. They are made by adding pigments to a solution of shellac in pure alcohol. Apparently, this type of varnish was in use by furniture makers up until the middle of the 20th century. The idea to make them at home came from the super interesting Youtube channel „Tischlerarbeiten, Handwerk, Restaurierungen, Antiquitäten„, which I highly recommend for all those who are interested in more traditional approaches to woodworking and furniture restoration (and speak German).

natuerliche-farben-buch
Natürliche Farben – Making paints, coatings and plasterings with all natural materials.

Anyhow, the experiment with the pigmented shellac went well, all in all. However, we haven’t yet used them on the piece for which we intended them. It is somewhat difficult to apply them evenly, because they are very thin and the shellac evaporates very quickly. Anne and I also didn’t try different methods of application. Brushing it on, like we did, isn’t ideal, a sponge or bale is probably better suited for the job. In addition, we couldn’t make up our minds on which shade to use.

And now maybe we will drop that project altogether and go for a beer glaze instead.

I have heard about this kind of translucent glazing before, but it was in the „Natürliche Farben“ book mentioned above that I really learned how wonderfully simple they are. Beer glazes are pigments dissolved in beer. When the beer dries, it becomes sticky, so a thin layer of beer can act as a binder and keep the pigments from falling off. Isn’t that fascinating, how simple a paint can be?

According to Ziesemann, Krampfer and Knieriemen you dissolve 20 grams to 100 grams of pigments in one litre of beer. The glaze can be wiped away with water, so they recommend you fixate them, for example with the help of a wax. Wikipedia says that in the past the pieces were coated with oil varnish to protect them against humidity. Beer glazes are famous for their role in wood imitation. We don’t want to imitate wood, however. We just want to add some colour to an otherwise bland pine chest. And ideally that colour should removable. So, a beer glaze looks like a rational choice. Or rather, as a more than welcome excuse for finally trying them out.

By the way, the image above this post shows different shades of beer glazes, coloured with earth and mineral pigments.

Wooden chest
The old chest during paint removal awaiting a nice beer glaze. It was covered in some undefined stuff, so I had to sand it all down.

It doesn’t stop there. Other traditional paints are made with oil, of course, but also with casein, chalk, lime, resins – and with any combination thereof. What I find most surprising about these old coatings is that they are apparently superior to modern paints in many ways: they are less dangerous for the environment and for your health, they keep the wood or wall surface healthy as well, they are sometimes cheaper and they are even said to last much longer. So why were they superseded by modern industrial paints? I guess because they can be cumbersome to use, have less of a shelf life and aren’t standardized. A professional (house) painter who needs to attain the same level of quality over and over again is better off with modern mixtures. And higher marketing budgets probably had their say, too.

When it comes to painting at home, however, I can’t see any reason why we shouldn’t use the old recipes. Naturally, I’d love to get my hands on such an old recipe book – if I manage to get hold of one, I promise to share their instructions with you here. In any case I can whole-heartedly recommend the „Natürliche Farben“ book, which is still available for sale.

 


 

Natürliche Farben

Bei meinem letzten Abstecher zur Heidelberger Stadtbücherei ist mir ein Buch untergekommen, das sich als extrem inspirierend herausgestellt hat. Es ist zwar nicht sonderlich alt (aber auch nicht gerade jung), trotzdem muss ich hier unbedingt etwas drüber schreiben.

Folgendes Werk ist gemeint: Gerd Ziesemann, Martin Krampfer, Heinz Knieriemen: „Natürliche Farben. Anstriche und Verputze selber herstellen“, AT Verlag Aarau, 1996.

Ich wusste ja, dass ich einen Hang zum Farben Selbermachen habe, aber wie schlimm es ist, habe ich erst nach ein paar Seiten gemerkt. Ich kann das Buch kaum weglegen. Es gibt so viele unterschiedliche Arten, Farben herzustellen, und ich könnte jetzt schon am liebsten jede einzelne mal ausprobieren. Jede. Bislang beschränken sich meine Erfahrung auf Spirituslacke, von denen ich im ausgezeichneten und darum auch rundweg sehr empfehlenswerten Youtube-Kanal „Tischlerarbeiten, Handwerk, Restaurierungen, Antiquitäten“ von Restaurator Lothar Jansen-Greef erfahren habe. Wer sich für traditionelle Holzbearbeitung und Möbelrestaurierung interessiert, ist dort bestens aufgehoben. Spirituslacke entstehen, wenn man Pigmente in Schellack und Alkohol auflöst. Entsprechend behandelte Oberflächen finden sich auf alten Möbeln bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, sagt Restaurator Jansen-Greef. Wir haben versucht, damit eine Kiefernholz-Truhe zu bemalen, bislang ist es aber bei Farbtests und einigem Rumprobieren geblieben. Die Spirituslacke sind sehr dünnflüssig und entsprechend schwer aufzutragen, vor allem weil der Alkohol schnell verdunstet und der Auftrag dann streifig wird. Am besten geht das Ganze wohl mit Ballen oder Schwamm, und nicht so gut ist ein Pinsel, wie wir ihn benutzt haben.

Womöglich lassen wir das mit dem Spirituslack aber auch erstmal sein und schwenken stattdessen um: auf Bierlasur.

Von der hatte ich schon gehört, aber erst im „Natürliche-Farben“-Buch habe ich dann erfahren, wie wunderbar simpel die Bierlasuren tatsächlich sind. Für die werden nämlich einfach Pigmente in Bier eingerührt. Wenn der dünne Bierfilm auf der Oberfläche trocknet, wird er klebrig und bindet dadurch die Pigmente. Ist doch faszinierend, wie einfach sowas sein kann, oder?

Laut den Autoren kann man 20 g bis 100 g Pigmente pro Liter Bier einsetzen. Allerdings sind die Bierlasuren nur wisch- und nicht wasserfest, das heißt, man muss sie noch mit einem Überzug schützen und fixieren. Ziesemann, Krampfer und Knieriemen empfehlen hier ein Wachs. Laut Wikipedia wurde früher (Leinöl-)Firnis verwendet. Bierlasuren sind berühmt für ihren Einsatz bei Holzimitationsmalereien. Wir wollen aber erstmal gar kein Holz imitieren, denn die Kiste ist ja schon aus einem hellen und ein bisschen langweiligen Kiefernholz. Idealerweise sollte die Farbe auch wieder abwaschbar sein, eine handelsübliche Beize kommt also nicht in Frage. Und so wie ich das sehe, kann die Antwort dann eigentlich nur Bierlasur heißen! Naja, so oder so ähnlich lege ich mir das gerade zurecht, um das jetzt bald mal ausprobieren zu können.

Übrigens sind die farbigen Holzlatten in dem Bild ganz oben Beispiele für eine Oberflächenbehandlung mit Bierlasur.

Und damit endet das natürlich noch nicht. Traditionelle Farben wurden mit allen möglichen Substanzen gemacht, allen voran natürlich mit Öl, aber auch mit Kalk, Kreide, Kasein, Harzen  – und jeder nur denkbaren Kombination. Was mich dabei am meisten fasziniert, ist, dass diese Materialien den modernen „Chemiefarben“ keineswegs unterlegen sind. Sie sind weniger gefährlich für die Umwelt und die eigene Gesundheit, und schaden auch der Oberfläche weniger, außerdem sind sie mitunter günstiger und halten bei alldem angeblich auch noch länger. Warum spielen sie dann heute keine Rolle mehr? Ausschlaggebend ist vermutlich, dass sie manchmal schwerer zu verarbeiten sind, sich weniger lang im Lager halten und oft auch nicht standardisiert sind. Wer als Profi-Anstreicher immer wieder auf Abruf und schnell dieselbe Qualität erzielen muss, ist darum mit Kunstfarben wohl besser bedient. Große Marketingbudgets haben aber sicher auch noch ein Wörtchen mitzureden gehabt.

Zumindest aber was das Malen und Anstreichen im privaten Bereich angeht, sehe ich keinen Grund, warum man nicht auf die alten Rezepte zurückgreifen sollte. Ich persönlich bin jetzt natürlich ganz begierig darauf, ein solches altes Rezeptbuch mal in die Finger zu kriegen. Wenn ich eins finde, werde ich die entsprechenden Anleitungen hier selbstverständlich teilen. Bis dahin – und auch so – kann ich das Buch über die Natürlichen Farben uneingeschränkt wärmstens empfehlen. Es ist noch im Handel erhältlich.

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